Wing Chun
Wing Chun ist eine ursprünglich chinesische Kampfkunst. Es gibt wenig gesicherte historische Fakten zu ihrer Entstehung. Die großzügige Deutung von asiatischem Symbolismus und die teils unreflektierte Übernahme vermeintlicher Traditionen führen allzu oft zur Mythen- und Legendenbildung.
Es scheint festzustehen, dass Wing Chun zu Zeiten der Qing-Dynastie von regierungsoppositionellen Gruppierungen praktiziert und perfektioniert wurde. Eine tragende Rolle spielten dabei wohl führende Mitglieder der Shaolinklöster, die sich diesen Geheimbünden angeschlossen hatten.
Von da an, so heißt es, wurde Wing Chun bis Mitte des 20. Jahrhunderts nur innerhalb fester Familienstrukturen und ausgewählter Personenkreise weitergegeben. Durch die Kung Fu–Filme der 60/70er Jahre und ihren wohl bekanntesten Protagonisten Bruce Lee wuchs auch in der westlichen Welt das Interesse an den asiatischen Kampfkünsten. Bruce Lee selbst war es, der Wing Chun gegen den Wunsch seines Lehrers Yip Man der amerikanischen Öffentlichkeit vorstellte.
In Europa hat sich Wing Chun (auch bekannt unter den Schreibweisen Wing Tsun, Ving Tsun, Ving Chun, Yong Chun, etc.) im Laufe der letzten 30 Jahre zu einem äußerst populären Selbstverteidigungs- und Zweikampfsystem entwickelt.
Ein gutes und wirklich anwendbares Selbstverteidigungs–System hat keinen Platz für umständliche Bewegungsabläufe und akrobatische Techniken. Im Falle akuter Bedrohung der eigenen körperlichen Unversehrtheit, oder der Dritter, braucht der Betroffene ein konkretes Verhaltensprinzip. Die Besonderheit des Wing Chun liegt hier in seiner klaren, konzeptionellen Ausrichtung begründet.
Es lehrt die resolute Vorwärts-verteidigung, man attackiert den Angriff. Wing Chun gibt dem Anwender einfache und dadurch instinktiv abrufbare Bewegungsmuster zur Selbstverteidigung. Diese basieren auf Prinzipien der Bewegungsökonomie, es werden konsequent kurze, direkte Wege zum Ziel gesucht und genutzt.
Ein weiteres wichtiges Merkmal der Vorgehensweise des Wing Chun ist die Gleichzeitigkeit von Angriffs- und Verteidigungstechniken. Dies erschwert Wiederholungsversuche des Angreifers und soll ihn seinerseits in die Defensive zwingen. Angelehnt an taoistische Grundsätze empfiehlt Wing Chun dabei das natürliche Wechselspiel von Weichheit und Härte.
Weit über die rein physische Wehrhaftigkeit hinaus, entwickelt Wing Chun die Bereitschaft, Unerwartetes anzunehmen. Wing Chun ist Körperschule für den Geist. Regelmäßiges Training sensibilisiert die gesamte Sinneswahrnehmung. Es stärkt die Fähigkeit, fremde Energien früher zu erkennen und ihnen gegebenenfalls entschlossen, aber auch unaufgeregt zu begegnen. Wing Chun bringt ein neues Körperverständnis und führt dauerhaft zu mehr emotionaler Ausgeglichenheit.
Gutes Kampfkunst-Training betont und berücksichtigt die Einzigartigkeit des Übenden. Um jedem zügige Lernfortschritte zu ermöglichen, lässt unser Curriculum viel Raum für individuelle Anlagen und Bedürfnisse. Mit einer zeitgemäßen Interpretation der traditionellen Unterrichtsinhalte stellen wir sicher, den breit gefächerten Anforderungen heutiger Gegebenheiten zu entsprechen.
